Stadt Nauen: Pilotprojekt macht den Boden erlebbar

28. Oktober 2026 : Wie fühlt sich Boden an? Wie viel Wasser kann er speichern? Ist er eher sauer oder neutral? Diesen und weiteren Fragen gingen Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse des Goethe-Gymnasiums jüngst im Stadtpark Nauen auf den Grund. Im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojekts der Stadt Nauen und Dr. Beate Gall vom Institut für Umweltwissenschaften und Geographie, Lehrstuhl für Bodenkunde und Geoökologie, der Universität Potsdam, wurde ein mobiles Bildungsangebot zur Bodenkunde praktisch erprobt.

Im Mittelpunkt steht ein Rucksack, der künftig verschiedene Materialien und Module für Bodenuntersuchungen enthalten soll. Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Testphase. Einzelne Bausteine werden zunächst ausprobiert und weiterentwickelt. Dazu gehören unter anderem Untersuchungen zur Wasserspeicherfähigkeit des Bodens, die sogenannte Fingerprobe zur Bestimmung der Bodenart sowie die Messung des pH-Wertes.

„Wir testen im Moment vor allem die Abläufe und schauen, wie die einzelnen Module in der Praxis funktionieren“, erläutert Dr. Beate Gall. „Der Prototyp des Rucksacks mit allen fertigen Modulen und Materialien soll im kommenden Frühjahr fertiggestellt sein.“

Mit Schaufel, Bohrstock und Forschergeist

Für die Exkursion wurden die Teilnehmenden in kleine Gruppen eingeteilt. Ausgerüstet mit Probenbeuteln, Schreibmaterial und verschiedenen Werkzeugen erkundeten sie unterschiedliche Bereiche des Stadtparks. Statt eines fertigen Rucksacks kamen zunächst einzelne Materialkisten und ein Bollerwagen zum Einsatz – ganz im Sinne eines echten Praxistests.

Auf dem Programm stand unter anderem das Anlegen eines sogenannten Flachschurfs. Dabei wird der Boden nur wenige Zentimeter tief geöffnet, um die oberste Bodenschicht genauer betrachten zu können. Mit den Händen und der Fingerprobe untersuchten die Gruppen, ob der Boden eher sandig, schluffig oder tonig ist. Anschließend wurde geprüft, wie gut die jeweilige Bodenart Wasser aufnehmen und speichern kann.

Für einen tieferen Blick in den Boden kam außerdem ein Pürckhauer-Bohrstock zum Einsatz. Mit einem Schonhammer wird das etwa ein Meter lange Gerät mehr oder weniger vorsichtig in den Boden geschlagen. Anschließend lässt sich ein Bodenprofil entnehmen und direkt betrachten. „So werden unterschiedliche Schichten sichtbar, die sich über viele Jahre entwickelt haben“, so Dr. Gall.

„Gerade im Stadtpark kann man auf kurzer Distanz sehr unterschiedliche Böden entdecken“, erklärt sie. „Das macht den Ort für Schülerinnen und Schüler besonders spannend. Im Wald, auf offenen Flächen oder in Senken verändern sich die Bedingungen oft schon nach wenigen Metern.“

Boden ist mehr als Erde

Die Untersuchungen zeigen anschaulich, wie vielfältig Bodenkunde ist. Böden sind Lebensraum, Wasserspeicher und wichtiger Bestandteil des Naturhaushalts. Sie stehen zugleich mit Biologie, Chemie und Physik in Verbindung. Bodenorganismen zersetzen beispielsweise Laub und führen wichtige Nährstoffe zurück in den natürlichen Kreislauf. Die Bodenstruktur entscheidet darüber, wie Wasser versickert, gespeichert oder weitergeleitet wird. Der pH-Wert gibt Hinweise darauf, ob ein Boden eher sauer oder basisch ist.

Damit greift das Pilotprojekt auch zentrale Fragen der Klimaanpassung auf. Gerade bei Starkregen und längeren Trockenperioden kommt es darauf an, wie Böden Wasser aufnehmen und halten können.

„Der Boden ist ein wichtiger Baustein unseres Klimaanpassungskonzepts für den Stadtpark“, sagt Tiina Arend, Teamleiterin Grün und Umwelt sowie Klimaschutzbeauftragte der Stadt Nauen. „Wir haben im Park rund 600 Bäume und ganz unterschiedliche Bereiche. Bei der weiteren Entwicklung des Parks müssen wir deshalb genau wissen, welche Bedingungen vor Ort herrschen.“

Der Stadtpark ist ein Gartendenkmal mit langer Geschichte. Er entstand im Jahr 1872 und wurde 1990 als Gartendenkmal eingetragen. Alle Veränderungen müssen daher sorgfältig geplant und mit den denkmalrechtlichen Vorgaben abgestimmt werden. Gleichzeitig soll der Park ökologisch weiterentwickelt und besser an die Folgen des Klimawandels angepasst werden.

Bodenuntersuchungen für die Zukunft des Stadtparks

Im Rahmen der Exkursion wurden mehrere für die Parkentwicklung interessante Stellen betrachtet. Dazu gehört ein Bereich, in dem sogenannte Baumlinsen entstehen könnten. Dort sollen künftig Bäume und eine passende Unterbepflanzung für mehr Struktur und Schatten sorgen. „Eine Bodenuntersuchung kann wichtige Hinweise geben, welche Pflanzen an diesem Standort gut gedeihen“, dozierte Tiina Arend.

Auch ein abschüssiger Bereich des Parks wurde untersucht. Dr. Gall erklärte: „Bei starken Regenfällen fließt das Wasser dort schnell hangabwärts. Eine geplante Kiespackung soll künftig dazu beitragen, dass das Wasser langsamer versickert. Dafür ist es wichtig, die Eigenschaften des vorhandenen Bodens zu kennen.

Ein weiterer Untersuchungsort war der Bereich rund um ein ehemaliges beziehungsweise derzeit trockenes Gewässer. Die Bodenproben sollen helfen, besser zu verstehen, warum sich dort aktuell kein Wasser sammelt und welche Bedingungen vor Ort herrschen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Universität Potsdam und Dr. Gall einen so praxisnahen Zugang zur Bodenkunde gefunden haben“, betont Tiina Arend. „Die Schülerinnen und Schüler lernen nicht nur etwas über Boden, sondern beschäftigen sich gleichzeitig mit konkreten Fragen zur Zukunft unseres Stadtparks.“

Pilotprojekt soll weiter wachsen

Die Exkursion diente nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch der Evaluation. Die Teilnehmenden gaben Rückmeldungen dazu, welche Aufgaben verständlich waren, welche Materialien sich bewährt haben und wo noch nachgebessert werden muss. Diese Erfahrungen fließen in die weitere Entwicklung des Bodenrucksacks ein.

Perspektivisch soll das Angebot Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen zur Verfügung stehen. Denkbar sind regelmäßige Bodenaktionstage im Stadtpark, aber auch Untersuchungen im Stadtwald oder auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. So könnten Schülerinnen und Schüler jedes Jahr an unterschiedlichen Orten arbeiten und die Vielfalt der Böden in und um Nauen kennenlernen.

„Unser Ziel ist ein unkompliziertes, mobiles und anschauliches Bildungsangebot“, sagt Dr. Beate Gall. „Kinder und Jugendliche sollen selbst ausprobieren, messen und entdecken können. Wenn sie dabei verstehen, welche Bedeutung Böden für Wasser, Pflanzen, Klima und unser tägliches Leben haben, ist schon viel erreicht.“ Die Stadt Nauen und die Universität Potsdam wollen das Pilotprojekt in den kommenden Monaten weiter erproben. Mit der Fertigstellung des Prototyps im Frühjahr soll der Bodenrucksack vollständig ausgestattet sein und künftig noch mehr praktische Einblicke in die faszinierende Welt unter unseren Füßen ermöglichen.

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